Trends & Perspektiven: Zukunft am Arbeitsmarkt

Das Wirtschaftswachstum flaut ab, der Fachkräftemangel steigt:  Die Rahmenbedingungen für den jungen Arbeitsmarkt sind für qualifizierte Ein-, Auf- und Umsteiger weiterhin gut.

Österreichs Wirtschaftswachstum flaut ab. Das ist auf die Schwäche der Weltwirtschaft zurückzuführen. Sie schlug besonders auf die österreichische Industrie durch, die weniger investieren kann. Trotzdem bleiben die Aussichten für Österreichs Wirtschaft zunächst stabil. Für den Arbeitsmarkt bedeutet die konjunkturelle Eintrübung, dass sich dessen Erholung verlangsamt. Die Arbeitslosenquote stagnierte zuletzt bei 7,4 Prozent. Trotzdem sollte die heimische Wirtschaftstätigkeit insgesamt dynamisch bleiben, sagen die Experten.

 

FACHKRÄFTEMANGEL

Gleichzeitig nimmt in Österreich der Fachkräftemangel zu. Die Ergebnisse des WKO

Fachkräfteradars zeigen: In drei von vier Unternehmen fehlen Fachkräfte. 59 % der Betriebe spüren Umsatzeinbußen durch den Fachkräftemangel.  Bei jedem zweiten Unternehmen führte der Fachkräftemangel bereits zur Einschränkung von Innovationen. 59 % der offenen Stellen waren länger als 6 Monate unbesetzt

Und 82 % der Unternehmen erwarten eine Verschärfung des Fachkräftemangels

Der Fachkräftemangel hat negative Auswirkungen für die betroffenen Betriebe, Branchen und Regionen sowie für den gesamten Standort Österreich. Auf der Angebotsseite präsentiert sich die Situation natürlich anders. Der Fachkräftemangel ist für junge Talente eine große Chance, zu einem attraktiven Job zu kommen. Wer über die geforderten Qualifikationen der jeweiligen Unternehmen verfügt, darf sich über die positiven Seiten des Fachkräftemangels freuen. Gerade im IT-Bereich oder in technischen Bereichen warten hochattraktive Berufsaussichten. Die Lehre – etwa mit oder nach einer Matura – erlebt eine Renaissance. Neue Lehrberufe haben das Thema Digitalisierung schon „integriert“ – Applikationsentwicklung und Coding oder der E-Commerce-Kaufmann sind dafür gute Beispiele.

 

Do´s

  • Investieren Sie in Ihre Aus- und Weiterbildung, verbessern Sie Ihre Qualifikationsbasis und denken Sie auch über die Berufsalternative Selbstständigkeit nach.
  • Je besser die eigene Qualifikationsbasis, desto größer sind die Jobchancen. Direkt nach der Schule einzusteigen, ist keine gute Idee.
  • Die Lehre wird modernisiert, neue Ausbildungen im Digitalbereich versprechen attraktive Job-Aussichten.
  • Wer einen attraktiven Job gefunden hat, sollte sich bemühen, ihn zu behalten.

 

MEHR DYNAMIK DURCH DIGITALISIERUNG

Ein Top-Thema auch am Arbeitsmarkt ist der digitale Wandel. Er verändert unsere Wirtschafts- und Arbeitswelt grundlegend – und ist eine „Frischzellenkur“ auch für den Arbeitsmarkt. Befürchtungen, dass die Digitalisierung nur Arbeitsplätze kostet, sind fehl am Platz. Eine Accenture-Studie zeigt etwa: Erhebungen, die eine flächendeckende Arbeitslosigkeit prognostizieren, überschätzen das Automatisierungspotenzial von Berufen erheblich, so die Experten. Es können nur einzelne Tätigkeiten eines Berufes automatisiert werden. Ein Großteil der Jobs braucht weiterhin eine Vielzahl menschlicher Fähigkeiten. Laut Accenture-Studie sinkt der Anteil jener Arbeitsplätze, die von Automatisierung betroffen und daher gefährdet sind, bis 2035 auf drei Prozent (2015: 23 Prozent). Die Experten gehen davon aus, dass menschliche Arbeit künftig nicht durch Maschinen ersetzt, sondern vielmehr kollaborativ zwischen Mensch und Maschine stattfindet. Genau dadurch werden auch neue Tätigkeiten geschaffen. Wichtig ist, dass sich die Wirtschaft aktiv mit den neuen Schlüsseltechnologien auseinandersetzt, allen voran Künstliche Intelligenz (KI) sowie Internet of Things (IoT). Je innovativer unsere Unternehmen sind, desto stärker wird aus der Digitalisierung eine Erfolgsgeschichte für Unternehmen und Arbeitsplätze. Gerade im KI-Bereich warten vollkommen neue Chancen: Der Einsatz von KI kann die Wachstumsrate der österreichischen Wirtschaft um drei Prozent jährlich heben – verglichen mit 1,4% bei einem Verharren auf dem aktuellen technologischen Niveau. Die stärksten Wachstumseffekte werden dabei im produzierenden Bereich erwartet, aber auch in Branchen wie dem Handel sind die Wertschöpfungspotentiale beträchtlich, prognostiziert Accenture.

Unternehmen brauchen jedenfalls in Zukunft viele digitale Expertinnen und Experten. Für 80 Prozent der Jobs im nächsten Jahrzehnt werden Kenntnisse und Fachwissen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik erforderlich sein. Die Digitalisierung ist eine große Chance, wenn sich Unternehmen und Fachkräfte offensiv damit beschäftigen.

 

Do´s

  • Entwickeln Sie Ihre IT-Fitness laufend weiter, weil es darauf in allen Berufen ankommt.
  • Das Erlernen einer Programmiersprache kann für das Verständnis digitaler Transformationen nie schaden.
  • Beschäftigen Sie sich mit Geschäftsprozessen, die durch die Digitalisierung möglich werden. Uber & Co sind überall möglich.

 

NEUE CHANCEN DURCH EXPORT UND UMWELTTECHNOLOGIE

Ein wichtiger Faktor für Beruf und Karriere in Österreich ist die Exportwirtschaft. Internationalität ist ein großes Plus für Standort und Karrieremacher. Österreichs Exporteure schreiben eine Erfolgsgeschichte nach der anderen. Und mehr als 160 österreichische Unternehmen gehören in unterschiedlichen Branchen zur Weltspitze. Sie punkten international mit Qualität, Innovationskraft, Know-how und Verlässlichkeit. Diese sogenannten „Hidden Champions“ sind der breiten Öffentlichkeit oft nicht bekannt – es handelt sich meistens um mittelständische Familienbetriebe. Ihre Erfolgsfaktoren sind qualifizierte Mitarbeiter, Kundennähe und fokussierte Strategien mit langfristiger Orientierung. Nicht nur große internationale Konzerne, sondern auch Champions aus Österreich schreiben Erfolgsgeschichten, die für Absolventen attraktive berufliche Chancen bringen.

Ein wichtiges Thema für den Export: Österreichs international erfolgreiche Umwelttechnik- Industrie. Sie erwirtschaftet 72 Prozent der Umsätze im Export. Von den  6,1 Mrd. Euro, die Österreichs Unternehmen in Forschung und Entwicklung investieren, entfällt ein beachtlicher Anteil auf Investitionen rund um nachhaltige Technologien. Für fast neun von zehn Unternehmen (86%) ist der Klimaschutz ein großes Anliegen. Fazit: Österreich wird mit seinem Anteil von 0,2% an den Weltemissionen nicht das Klima retten, kann aber als Top-Eco-Standort entscheidende Beiträge für andere Länder und Regionen leisten – und vor allem: viele neue Karrieren im Export und im Umwelttechnologie-Bereich ermöglichen.

 

Do´s

  • Unternehmen im Export sind interessante und attraktive Arbeitgeber.
  • Internationales Know-how zahlt sich aus (Fremdsprachen, Auslandserfahrung).
  • Je früher man Auslands-Know-how sammelt, desto besser.
  • Mittelständische Betriebe und „hidden champions“ bieten mehr Karriereperspektiven, als viele glauben.
  • Umwelttechnologie ist ein wichtiges Wachstums- und Exportthema.